Retraite - Zeit der Stille

Ein berühmter Zen-Meister, ein Experte in Schweigen und Kontemplation, bekam eines Tages Besuch. Ein junger Mann bat um Aufnahme ins Kloster. In langen Reden versuchte er, den Meister zu überzeugen, dass er ein geeigneter Kandidat sei.

Der Meister hörte geduldig zu. Der Wortschwall des jungen Mannes hielt lange an. Schließlich bot ihm der Meister Tee an: er selbst füllte ihm die Tasse - bis zum Rand, und auch dann hielt er nicht inne, sondern goss weiter, immer weiter, bis sie überfloss und der Besucher zu knurren anfing: „Sehen Sie denn nicht, großer Meister, dass die Tasse längst überläuft?“ Der Zen-Meister erwiderte ruhig, lächelnd: „Sicher sehe ich es. Das habe ich ja beabsichtigt. Schau, ähnlich wie die Tasse, so bist auch Du voll - bis über den Rand, zum Überlaufen voll mit leeren Reden. Wie kannst Du von mir erwarten, dass ich Dich unterrichte, solange Du nicht aufnahmebereit bist wie eine leere Tasse? Wenn Du Mönch werden willst, musst Du schweigen lernen, musst lernen, zuzuhören. Vergiss nicht: das Wort lebt vom Gedanken, der Gedanke aber vom Schweigen - und das Schweigen wird vom Hören gespeist. Versuche, Gott zu hören: Sei still und lausche, was er im Schweigen zu sagen hat!“

Es braucht Zeiten des Schweigens und der Besinnung, damit unsere Gespräche und Beziehungen nicht nur spontan oder oberflächlich bleiben - der Gedanke lebt vom Schweigen!

Wir laden ein zur Retraite - die Zeit der Stille