ars vitae - Wie alles begann

Predigerhof Sonnenuntergang

Ein Erfahrungsbericht von Roland Luzi (2003)

Im Jahr 1998 wurde ars vitae zunächst als ein Projekt von Roland Luzi, Christoph Röckelein und Armin Mettler gegründet. Im Januar 2000 sellte sich ars vitae mit einem Initiationsvortrag von Pater Willigis Jäger OSB offiziell der Öffentlichkeit vor. Schon im Sommer 2000 wurde es notwendig dem Projekt eine Rechtsform zu geben. Es wurde ein Verein gegründet.

Die Heiligen Nächte zwischen Weihnachten und Neujahr sind in besonderer Weise dazu geeignet, dass dem kontemplativ suchenden Menschen geistige Samen aufgehen. Ich suchte zum Jahreswechsel von 1998/99 wiederholt die innere Einkehr. Am Weihnachtstag drängte sich meinem Bewusstsein eine Vision auf, die sich mir auch leiblich in einem tiefen Angerührtsein und Kräfteströmen ausdrückte: Es war die Überzeugung, dass der Mensch des nächsten Jahrtausends vor der Aufgabe stehe, alle Dimensionen seines Seins zu entwickeln; er ist aufgerufen, neben der mentalen, psychischen und physischen Dimension auch die spirituelle zu entwickeln und die vier Elemente untereinander in Einklang zu bringen. Dies wird uns einen anderen Zugang zu uns selber und eine umfassendere Wahrnehmung der Welt ermöglichen. Dieser Weg lässt uns die unmittelbare Selbst- und Gottesnähe erfahren und macht uns die wirklich befreiende Kraftquelle für eine neue Lebensweise zugänglich. Wir entwickeln durch die achtsame Lebenswahrnehmung eine "innengeleitete" Identität, die sich an nicht materiellen Werten wie Liebesfähigkeit, Solidarität, Zuversicht, Weisheit und innerer Freiheit orientiert. Soweit die Hauptaspekte, die diese individuelle Vision tragend ausfüllten. Doch wie und durch wen konnte diese Vorstellung ins Leben umgesetzt werden?

Im Januar sprach ich Christoph Röckelein auf dem Weg zur Tagung der Würzburger Schule der Kontemplation auf meine Zukunftsvorstellung hin an. Er konnte meine Begeisterung teilen und war bereit an der Umsetzung mitzuarbeiten. Armin MettIer, ein in der Meditation erfahrener evangelischer Theologe, konnte sich ebenfalls ein Engagement in dieser Richtung vorstellen. Im alten Bauernhaus von Armin MettIer in den Vogesen gingen wir gemeinsam daran, den Dialog mit dieser Vision aufzunehmen. Nach dieser Retraite konnten wir unserer Vision wichtige, weiterführende Gedanken zufügen, wie z.B.: Wir wollen nichts verkaufen, sondern Orientierungshilfe zur Selbstentscheidung geben. Wir plädieren dafür: Sucht nicht Gurus, sondern die Quelle des Lebens in Euch. Wichtig ist, nicht dass wir alle auf einem Weg sind, sondern dass wir alle auf einem Weg sind! Diese Toleranz ist wichtig. Nicht die Suche nach dem (historischen) Jesus ist uns wesentlich, sondern die Suche nach dem, was er wollte, nämlich: Menschen zum Leben zu bewegen. Dabei ist das Ziel nicht der Rückzug, sondern die Kontemplation dient als Durchgang zur kreativen Weltverantwortung... Im ganz Gewöhnlichen ereignet sich Gott...

Nach einem Jahr Arbeit konnten wir unserer Vision die Gestalt von „ars vitae“ geben und unser Projekt nach konkreten Zielen ausrichten.

Fast genau ein Jahr nach der ersten Vision im Dezember 1998 stellte sich „ars vitae“ im Januar 2000 mit einem Vortrag von Pater Willigis Jäger OSB offiziell der Öffentlichkeit in der Regio vor. Es folgte ein Vortrag von uns dreien über "Spiritualität im Alltag" und Kontemplationskurse in Bildungshäusern der Regio. Im August dieses Jahres begannen wir mit einer regelmässigen Sitzgruppe im "Raum der Stille" des alternativen Kulturzentrums Warteck in Basel. Anfang nächsten Jahres werden die spirituellen Begleiter und Autoren Pierre Stutz und Anselm Grün zu Vorträgen eingeladen. In Zusammenarbeit mit der Kath. Erwachsenenbildung Basel und dem Sonnenhof in Aitern bieten wir Kontemplations-und Meditationskurse an. „Ars vitae“ versteht Spiritualität als Lebenselixier jedes Menschen. Spiritualität so verstanden, überschreitet begrenzte Bereiche und wirkt als konstruktive Dynamik in der Gesellschaft überall da, wo Leben entsteht. Es gibt unzählige Zeugnisse aus allen Epochen und Kulturen der Menschheit, die von einer Spiritualität berichten, die unberührt von Ort und Zeit, Religion, Konfession, Bildung und sozialer Zugehörigkeit bleibt. „Ars vitae“ bezieht sich auf diese "transkonfessionelle" Tradition und geht den Erfahrungsweg der Mystik. Kontemplation, als gegenstandsfreies Beten ist auch eine wirksame Haltung, die in der hektischen Zeit der Gegenwart hilft, sich am Wesentlichen zu orientieren. „Ars vitae“ ist jedoch nicht die Quelle, sondern lediglich ein Finger, der darauf hinweist, dass die Quelle in Dir ist, obwohl das Wesentliche nicht von Dir geschaffen werden kann, sondern unverfügbares Geschenk bleibt. Ein solcher Erfahrensweg birgt jedoch auch Unsicherheiten. Sich aber in unsicheren Prozessen lebendig bewegen zu können, ist eine unabdingbare Erfordernis zum Leben, um sich zu entwickeln und verantwortungsvoll die Welt mitzugestalten. Anhaltende Sicherheit erhalten wir nicht durch äussere Strukturen, die morgen nicht mehr tragfähig sein können, sondern durch eine innere Haltung. Eine innere Haltung, die das Leben in einer wachen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit wahrnimmt und sich von dem Geheimnis der Lebendigkeit berühren und inspirieren lässt. Spiritualität entwickelt sich aus und auf dieser Grundhaltung. Sie bringt das Leben in uns und durch uns zur Entfaltung. Diese Lebendigkeit des Lebens in uns zu erschliessen und fliessen zu lassen ist die wahre Kunst des Lebens (lat.: ars vitae).

"Es handelt sich nicht um irgendein Leben, es geht um Dich und Deine Entfaltung". "Aber, wo gibt es die Quelle, die mich speist für dieses Leben und diesen Weg?" "Je weiter Du ausschweifst, um so entfernter bist Du ihr. Suchst Du bei Dir, schaust Du in ihren Ursprung."

Diese Zitate bringen das Anliegen von „ars vitae“ zum Ausdruck. „Ars vitae“ will Menschen Berührungspunkte anbieten, die zu ihrer eigenen Quelle führen und nicht die Abhängigkeit einer speziellen Lehre.

Im Sommer 2000 wurde dem Projekt „ars vitae“ eine Rechtsform gegeben. Es entstand ein Verein. Eine Mitgliedschaft kann bei der untenstehenden Adresse beantragt werden. Sie können mit Spenden unser Projekt unterstützen, damit es in der Regio (Basel-Südbaden-Elsass) eine Bewegung gibt, die Menschen auf ihrem spirituellen Weg begleiten.

Wir sind so sehr gewöhnt, uns für unsere Durchschnittlichkeit zu hassen und abzulehnen, dass wir nicht imstande sind, unseren wirklichen Wert zu begreifen.

Gott möchte einzig,

dass wir in Geduld lernen,

es bei uns selber auszuhalten.

In unserer Person und unserer Individualität sind wir etwas ganz Besonderes.

Dieses auszubilden und in Geduld reifen zu lassen, das macht die ganze Kunst unseres Lebens (ars vitae) aus.

In Gott heimisch zu werden, das ist die ganze Offenbarung des Lebens Gottes:

Das Ungewöhnliche zu entdecken im ganz Gewöhnlichen,

das Grossartige im Unscheinbaren,

das Göttliche im Allzumenschlichen.

Das ist die ganze Kunst der Menschwerdung Gottes.

(Armin MettIer)

Pressemitteilung von Roland Luzi, 2002

An einer Tagung der von Pater Willigis Jäger OSB gegründeten „Würzburger Schule der Kontemplation“ kristallisierte sich 1999 in einem Gespräch zwischen den Kontemplationslehrern Roland Luzi und Christoph Röckelein die Idee des Projektes „ars vitae“ heraus. Zusammen mit dem Theologen VDM Armin Mettler wurden die nächsten konkreten Schritte ausgedacht und in einem Selbstverständnis zu Papier gebracht. Ars vitae haben wir gegründet, um Menschen die auf einem persönlichen Erfahrungsweg auf Gottessuche sind, mit Vorträgen, Kontemplations- und Fastenkursen und weiteren Begleitungen zu unterstützen. Ars vitae versteht sich als Regio-Projekt (Nordschweiz, Elsass, Baden) ist jedoch nicht ausschliesslich auf diese Region beschränkt. Die drei Gründungsmitglieder gehören sowohl der reformierten wie auch röm.-katholischen Kirche an, was dem Projekt eine ökumenische Ausrichtung gibt.

Ein Jahr nach der Gründung des Projektes hat sich „ars vitae“ im Januar 2000 mit einem Vortrag von Pater Willigis Jäger OSB zum Thema „Mystik – Erkenntnisweg der Zukunft“ offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt. Es folgten Kontemplationskurse in Bildungshäusern, die wir meistens mit der Katholischen Erwachsenenbildung in Basel anboten. Der Leiter der Kath. Erwachsenenbildung Xaver Pfister hat unserem Projekt von Anfang an das Vertrauen geschenkt und es in das Erwachsenbildungsangebot der röm.- Kath. Kirche Basel-Stadt integriert.

Dann kam er zu Gründung einer offener Sitzgruppe, die sich jeden vierten Freitag im Monat im Stillen Raum des Kulturzentrums Warteck trifft.

Im Sommer 2000 konnten wir den Verein ars vitae gründen.

Die Zielsetzungen des Vereins lauten wie folgt;

Ars vitae...

-steht in einer christlich-abendländischen Tradition der Mystik mit ihrem Erfahrungsweg der Kontemplation

-stärkt die Spiritualität beim Einzelnen und unterstützt dadurch die individuelle Reifung und Entwicklung

-fördert die religiöse Mündigkeit und leistet damit einen gesellschafts-kritischen und politischen Beitrag zur Demokratie

-sieht Spiritualität als Notwendigkeit für eine aktive Gestaltung des Alltags und für eine konstruktiv gelebte Weltverantwortung

-ist ein Projekt und selber unterwegs auf dem Weg der Entwicklung.

Auch im Jahre 2001 haben uns namhafte Persönlichkeiten des spirituellen Weges wie Pater Anselm Grün und Pierre Stutz mit Vorträgen in der Klosterkirche Dornach unterstützt.

Der Verein steht in der Tradition der Mystik, die mit den Wüstenvätern, Meister Eckhardt, Johannes von Kreuz, Therese von Avila, Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg – um nur einige der MystikerInnen zu nennen - verbunden werden kann.

Die Mystik ist die Seele der Religion. Das griechische Wort „myein“ – bedeutet; die Augen schliessen. Verwandt mit „mysterion“ – das Geheimnis. Alle grossen Religionen kennen einen mystischen Flügel. Doch davon nehmen die jeweils eigenen religiösen Institutionen mit ihren Dogmen kaum Notiz. In der Mystik geht es um die unmittelbare und persönliche Erfahrung mit dem Göttlichen. Unser Verein kommt also von der christlichen Mystik her. Das sind geschichtlich gewachsene und solide Wege, wo jeder nachprüfen kann, was sie im Grunde wollen.

Das unterscheidet uns vielleicht von anderen, die im Bereich der Spiritualität Anbieter sind.

Die von unserem Verein initiierte und mitorganisierte Nacht des Heilens vom November 2001 wurde von vielen Menschen besucht und brachte uns in guten Kontakt mit anderen Vereinen und Institutionen.

Zusammen mit der Offenen Kirche Elisabethen und der Kath. Erwachsenbildung luden wir im Januar 2002 zu einem Vortrag mit Willigis Jäger ein, der die Elisabethenkirche füllte. Durch die noch engere Zusammenarbeit mit der Kath. Erwachsenbildung können wir jetzt auch an jedem ersten Montag im Monat über Mittag (12.30-13.30) zu einer Meditation im Raum der Stille der mission 21 einladen.

Wir sind gespannt, welche weiteren Berührungspunkte unser Verein noch wahrnehmen kann. Weiterhin möchten wir sorgsam und verantwortungsvoll Menschen bei ihrer spirituellen Lebensentfaltung begleiten und unterstützen.